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Archive for Januar 2011

Lichtschlags Kurzschluß

Auf der Website eigentümlich frei, deren Gründer A.Lichtschlag auch die gleichnamige Zeitschrift herausgibt, wurde zum Jahresende 2010 der Kommentarbereich geschlossen. In dem Artikel, der dies begründen will, verweist A.Lichtschlag auf das sinkende Niveau der Kommentare. Weiter heisst es, Zitat: „Tatsächlich müsste man (…) den Kommentarbereich intensiv moderieren und gegebenenfalls auch stark aussieben“. Es wäre „erheblicher personeller und finanziellen Aufwand“ notwendig, den man nicht leisten möchte.

Das klingt irgendwie mysteriös und nicht ganz nachvollziehbar.

Es kann doch wohl kein Problem sein, den Artikelschreibern die Pflege des Kommentarbereichs ihrer jeweiligen Artikel aufzutragen? Diese müssten doch schon aus Eigeninteresse daran interessiert sein. Wieso sollte das „erheblichen Personalaufwand“ erfordern? Und bei dem angeblich drohenden finanziellem Aufwand kann es sich doch nur um einmalige Kosten handeln (z.B. Schaffung der technischen Voraussetzung, damit die Artikelschreiber ihre jeweiligen Kommentarbereiche administrieren können).

Die eigentliche Motivation scheint woanders zu liegen.

Tatsächlich bewertet A.Lichtschlag die Möglichkeit völlig destruktiv, online erscheinenden Artikeln einen online-Kommentarbereich für die Leserschaft beizufügen. Zwar gesteht er den Kommentarbereichen in Mainstream-Medien eine begrenzte Berechtigung zu. Er sieht aber eine „Rüpelkultur anonymer Tunichgute“, die das „Eigentum anderer beschmutzen“. Er möchte Kommentare, die er als „Unrat“ einordnet, von „seinem Eigentum“ – also seiner Website – fernhalten, vergleicht Kommentarbereiche mit „öffentlichen Toiletten“, und will dem Eigentumsgedanken mehr Gewicht geben.

Das ist mir ein bisschen viel Eigentum an einer virtuellen Sache.

Tatsächlich geht es im Internet um nichts als Bits und Bytes. Wenn hier von Schmutz und Unrat die Rede ist, dann sind das aus der realen Welt entlehnte Metaphern. Irgendetwas hier rückstandsfrei zu entfernen, kostet nicht viel mehr als einen Klick und kann zudem automatisiert werden.

A.Lichtschlag scheint es egal zu sein, dass seine Art der Bewertung letztendlich subjektiver Natur ist. So lässt es sich gar nicht vermeiden, dass mit der Schließung des Kommentarbreichs die Artikulation sinnhafter, aber für ef-online unliebsamer Kritik verhindert wird. Kritik, die wohlmöglich – ach herrje! – das Eigentum von Herrn Lichtschlag „beschmutzen“ könnte.

Das gleichzeitig einem sicherlich grösseren Teil der Leserschaft die gleichrangige Meinungsäusserung auf Augenhöhe verweigert wird, nimmt Herr Lichtschlag billigend in Kauf. Es wird der gleiche Mechanismus angewendet, den die quasi-gleichgeschalteten Mainstream-Medien der Gesellschaft zumuten: Ausgrenzung unliebsamer, „politisch nicht korrekter“ Ansichten.

A.Lichtschlag scheint den grundsätzlichen demokratischen Zugewinn überhaupt ignorieren zu wollen, der sich durch das Internet ergeben hat. Nämlich, dass nun ALLE MENSCHEN sich direkt und unmittelbar AUF AUGENHÖHE an gesellschaftlichen oder sonstigen Diskussionen beteiligen können. Bis dahin war die sogenannte „schweigende Mehrheit“ zur passiven Aufnahme der durch die Journaille (Zeitungen und Medien) gesellschaftskonform gefilterten Wirklichkeit verdammt.

Und wie kann ef-online an Kommentaren Schaden nehmen, wenn denn diese Kommentare als „nicht die Meinung des Verlages wiedergebend“ gekennzeichnet werden?

Klimazwieback sieht Kommentare prinzipiell als nützlich an, sie geben die Möglichkeit, über die veröffentlichten Artikel zu reflektieren und diese zu verbessern. Die Möglichkeit, sich von absolut unerträglichen Kommentaren zu trennen, besteht schliesslich immer. Unerträglich ist ein Kommentar nicht dann, wenn er konträre Ansichten artikuliert, sondern wenn diesem die innere Sinnhaftigkeit fehlt.

Die Entscheidung des Herrn Lichtschlag wurde auch in diesem Blog kritisch gewürdigt.

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